sugalito

12. Februar 2017

Wenn

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 14:45

An diesem knallblauen Tag liegt sie in der hüfthoch wogenden Wiese im gleißenden Mittagslicht, umschwirrt von glänzenden Junikäfern und schaut auf ihre hoffnungsvoll provozierend rot gelackten Fußnägel.
Wenn nur noch genügend Zeit bliebe, dieses immer und immer wieder zu erleben. Dieses Licht. Die Hitze auf ihrer Haut. Der Duft von Heu. Das vielstimmige Konzert der Vögel. Das Sirren des Windes im Gras. Sein Rauschen in den nahen Bäumen. Das vereinzelte Brummen einer Hummel.
Wenn. Aber die Antwort bleibt ungewiss.

© sugalito 06/2015

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4. Januar 2017

Für immer

Filed under: Uncategorized — sugalito - Lyrik und Prosa @ 09:01

Vom Blau
der Wolken naschen
mit Sonnenstrahlen
grundlos kichern
vom Gesumse trunken
ins kühle Grün
sinken
selig schlafen
für immer

© sugalito 02/17

25. November 2016

Insel

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 09:46
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An der Gartenhecke hört die Welt auf. Da ist nur noch Weiß, undurchdringliches, dichtes Weiß. Lautloses Weiß, da klingt nichts, da duftet nichts, da scheint es nichts mehr zu geben.

Ich lebe auf einer Insel, auf der steht in einem Stück Garten mein Haus und ich mittendrin. Rundherum scheinbares Nichts, zumindest heute morgen. Der Gedanke ist wohltuend, auf meiner Insel im großen, weißen Nichts, auf meiner Insel der Stille, der Ruhe.

Ich werde mir noch einen Kaffee holen und den Augenblick genießen. In kleinen Schlucken den heißen Kaffee trinken, dabei rauchen, meinen Gedanken nach hängen und beobachten, wie sich der Nebel langsam heben wird.

© sugalito MV 11/16

20. November 2016

Süchtig

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 08:47
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Sie hing an der Nadel, so viel stand fest. Auch wenn sie es nicht wahr haben wollte, in diesem Augenblick wusste sie es. Dabei hatte sie viel versucht, diese Sucht wenigstens einzudämmen, nur zu reduzieren, um einer absoluten Abstinenz den Schrecken zu nehmen.
Es half alles nichts. Schon lange hatte sie erkannt, wie höflich das leere Lächeln der Anderen war, wie schnell die Gesprächsthemen wechselten, wollte sie von Ihrem Laster, auch nur andeutungsweise, sprechen. Was blieb waren einige wenige Gleichgesinnte, die, wenn auch noch nicht so lange Jahre dabei, so doch ebenso drin hingen, wie sie. Mit dem Unterschied, sie wussten es noch nicht.
Wie konnte sie jemals diesem Gefühl des Abtauchens entkommen? Dieser Erleichterung, wenn sie sich der Sucht ergab, ungeduldig unter Ausflüchten eine kleine Weile für sich erschlich, hastig die Vorbereitungen traf, in Erwartung der ersten Freude, dem sich steigernden Glücksgefühl, um sich bald, schon bald, dem Rausch hingeben zu können, noch eine Reihe, nur diese Reihe noch. Doch wie viele selbst gestrickte Socken braucht ein Mensch?

© sugalito

24. Oktober 2016

Kurztrip

Filed under: beobachtet — sugalito - Lyrik und Prosa @ 19:41
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Augen fest

auf den Stadtplan gerichtet

Kilometer abgelaufen

nichts gesehen.

© sugalito

 

23. Oktober 2016

Anstubser

Filed under: erfahren — sugalito - Lyrik und Prosa @ 12:29
Tags: ,

Den brauche ich manchmal. Einen Anstubser. Mal einen kleinen, mal einen größeren. Und während ich an meinem anderen Blog arbeite und recherchiere, werde ich unterwegs im Netz angestubst: Wandernundschreiben. Dort geschieht genau das, was ich eine Weile vergessen hatte. Nicht nur draußen in der Natur zu sein, sondern meine Eindrücke auch auf zu schreiben. Überhaupt zu schreiben. Ich hatte diese, meine Seite vernachlässigt.

Danke! Ich denke, jetzt bin ich wieder dabei. Werde mich melden, bis dann!

 

15. April 2015

Blau

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 16:01
Tags:

Auf der Gartentreppe
im goldenen
Abendlicht
in der Hosentasche
ein Fetzen Luftballon
in dunklem Blau.

© sugalito

Aus meiner Badewanne

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 15:58

Aus meiner Badewanne
betrachtet
ist die Welt rauher Stallwände
mit geordneter Kosmetika
aufgeräumt.

Aus meiner Badewanne
sehe ich
schwimmend und sinnend
Holz lebendig leuchten
auf weiß verputzter Stallwand.

Aus meiner Badewanne
betrachtet
ist der Himmel
hoch und honigfarben.

© sugalito

16. Januar 2015

Jan

Filed under: erlebt — sugalito - Lyrik und Prosa @ 10:59

Er fiel mir auf der Fahrt von Perleburg zurück nach Hamburg ein. Die Scheibenwischer rutschten im gleichmäßigen Takt über die Frontscheibe, eintönig die Fahrt auf der Autobahn. Vielleicht fiel er mir ein, weil es die Nähe von Berlin war, wo er nun schon seit Jahren lebt. Ich habe das dringende Bedürfnis es ihm zu sagen, ohne besonderen Anlass, dieser Tag ist so gut wie jeder andere, es könnte genauso gut ein Mittwoch sein, nächstes Jahr, irgendwann, vielleicht bei einem Wiedersehen, aber vielleicht ist es irgendwann zu spät. Man kann nicht wissen, wann der Tag kommt, an dem man bedauert, Worte nicht gesagt zu haben.

Ich sage es Dir jetzt, mein Freund: jetzt und hier, ich werde Dich nicht anrufen, denn Du wärest ob der Plötzlichkeit vielleicht verwirrt, würdest nicht verstehen, ebenso, wie Du vor einigen Jahren auf meinem Balkon sagtest, ich erwarte vielleicht zu viel von Dir. Erwarte Dinge, die Du mir gar nicht geben kannst. Und ich ging über diesen Satz hinweg, war viel zu froh, Dich wiedergefunden zu haben, schwelgte in Freude und im Sonnenschein, dort auf jenem Balkon, in jenen knappen zwei Stunden nach so vielen Jahren. Wir hatten uns Jahrzehnte nicht gesehen, hatten einander wiedergefunden, nur durch einen kleinen Zufall.

Mein Freund, der Du mir warst und vielleicht noch bist, denke ich an Dich, fallen mir unzählige Bilder ein: als wir beiden Jugendlichen übermütig Polka zur Musik des „Zorbas“ in Deinem elterlichen, engen Flur tanzten, als ich Dir die Haare schnitt und sie – es waren die Siebziger, man trug das Haar noch lang – nach getaner Arbeit fönte und wir alle paar Minuten den Fön am Kabel aus der Dachluke zum Abkühlen hängten, weil er immer wieder überhitzt war. Und denke nur an die Party in der sturmfreien Bude, als des Morgens zwei wildfremde Männer in der Küche Deiner Mutter standen und sich in aller Selbstverständlichkeit Spiegeleier brieten. Alle vermuteten, es wären Freunde von Dir, Du jedoch hattest sie niemals zuvor gesehen. Und ich sehe Dein breites Grinsen, als Du das Einweckglas aus den Tiefen Deines weiß lackierten Schreibtisches zogst, um mich schnuppern zu lassen: Pfeifentabak, den Du heimlich mit Cognac Deines Vaters getränkt hattest. Und Du schriebst mir flüssig mal eben ein mehrseitiges Referat zu Ibsens „Nora“, mit dem ich in der Schule eine Zwei einheimste und die mich im Zeugnis wirklich herausriss. Auf Pellworm trampten wir und ich trank schon des Morgens ein großes Glas Cognac gegen den wilden Zahnschmerz, der mich tagelang gefangen hielt. Um mich abzulenken, marschiertest Du mit mir am grünen Strand und gabst mir französische Vokabeln zu lernen. Wohl hundert Mal ließest Du mich das Wort aujourd’hui (heute) laut herausschreien, angeblich sprach ich es falsch aus, dafür werde ich diese eine Vokabel niemals vergessen. Und Deine spitze Zunge, die ich manches Mal fürchtete, Deinen glasklaren Verstand um den ich Dich immer noch beneide, ebenso Deine Fähigkeit, Politik schon früh zu durchschauen und wie Du einmal, als ich zu Dir kam, sagtest: „Du siehst aus wie ein frisch gevögeltes Eichhörnchen“. Und wir schütteten einander unser Herz aus, sechzehn-, siebzehnjährig, ich von meiner Liebesgeschichte zu jenem wunderbaren Mann, Du von Deinen ersten Verwirrungen in Deiner Liebe zu einem Mann.

Wir waren Freunde, ich liebte Dich und wir gingen im Streit auseinander. Wir waren eben über zwanzig. Weitere zwanzig Jahre später sah ich Dich wieder, den attraktiven, schwulen und erfolgreichen Journalisten, meinen wunderbaren Freund, um zwanzig Jahre gereift. Die Zeit auf dem Balkon reichte nicht aus, es Dir zu sagen. So sage ich es Dir hier und jetzt, Du bist ein Baustein in meinem Leben. Ein tragender und wichtiger Baustein, an den ich oft dachte und denke, einer der mir lieb und teuer ist. Einer, der mich – ob er will oder nicht – ein Leben lang begleitet. Jan, ich danke Dir.

© sugalito

Verführung

Filed under: erdacht — sugalito - Lyrik und Prosa @ 10:51

Groß und frisch liegst Du duftend vor mir, meine Finger gleiten über Deine glatte Haut, tasten sich in die kleine Vertiefung, schon umschließt meine Hand Dich fest. Ich will Dich noch einmal riechen, meine Lippen spielen schon auf Deiner Haut. Jetzt hast Du mich verführt, meine Zähne beißen sich fest in Deinem saftigen Fleisch: Du roter, sonnengereifter Apfel!

© sugalito

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